Bio ist in. Wir kaufen pestizidfreies Obst, unbehandelte Holzregale und Milch von glücklichen Kühen. Warum sollte man dann nicht auch bei Medikamenten auf die Natur setzen? Phytotherapie heißt das Zauberwort.
Seit Jahrtausenden nutzen die Menschen die Kraft der Pflanzen, um Verletzungen und Erkrankungen zu lindern oder zu heilen. Die Wirksamkeit vieler Phytopharmaka ist bewiesen und sogar der Wirkstoffgehalt der "grünen" Medizin ist messbar.
Damit der Apotheker ein Phytopharmakon verkaufen darf, muss es den für alle Arzneimittel geltenden Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit entsprechen. Ob eine pflanzliche Medizin zuverlässig wirkt, hängt sehr stark von der Qualität der Pflanze ab. Aus diesem Grund werden immer mehr Heilpflanzen kultiviert. So ist der Ertrag besser gesichert. Damit Sie pflanzliche Medikamente in hoher Qualität erhalten, sollten Sie solche Arzneimittel sicherheitshalber in der Apotheke kaufen.
Besonders Eltern greifen gerne zur Pflanzenmedizin, wenn die Kleinen krank sind. Die Anwendungsformen sind häufig kinderfreundlich, oft gibt es die Wirkstoffe als Sirup, Balsam oder Tee. Meistens zeichnet sich die Pflanzenmedizin auch durch ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis aus.
Bei trockenem Husten kann beispielsweise ein Saft aus Efeu, Thymian oder Primeln wunderbar helfen. Bei Magenbeschwerden zeigen Pfefferminz und Kamille verlässliche Erfolge. Johanniskraut, äußerlich angewandt, beruhigt die Haut, dasselbe gilt für Ringelblumensalbe. Bei Johanniskrautpräparaten muss man jedoch immer die Nebenwirkungen beachten. Direkte Sonneneinstrahlung sollte zum Beispiel gemieden werden, da Johanniskraut photosensibel – also besonders empfindlich gegenüber Sonnenlicht – macht. Baldrian beruhigt aufgeregte Gemüter und fördert das Einschlafen.
Vorsicht – viele Menschen denken, bei der grünen Medizin könnte man so gut wie nichts verkehrt machen. Doch auch pflanzliche Medikamente haben Nebenwirkungen – genauso wie alle anderen Arzneimittel. Sie müssen sich also genau an die Dosierungsempfehlung halten. Beispielsweise können appetitanregende Tropfen einem Kind den Appetit verderben, wenn sie überdosiert werden.
Bei der Medikation von Säuglingen und Kleinkindern ziehen Sie lieber immer einen Arzt oder Apotheker zu Rate. Der Fachmann weiß genau, ab welchem Alter sich ein Präparat eignet und ob eine Selbstbehandlung überhaupt infrage kommt. Das gleiche gilt übrigens auch für die Therapie Erwachsener: Wichtig ist immer, dass vor eine Behandlung die Ursache der Beschwerden geklärt ist und ebenso ob eventuell noch eine andere Therapie notwendig ist.
Bestimmte Heilpflanzen sollte man bei kleinen Kindern überhaupt nicht anwenden. So können zum Beispiel mentholhaltige Mittel auf die Haut aufgetragen oder beim Inhalieren Atemstillstände verursachen.
Im Allgemeinen stellt die Phytotherapie jedoch oft eine schonende Alternative zur Schulmedizin dar. Fragen Sie bei Ihrem Apotheker einfach einmal nach – er kann Ihnen sicherlich wertvolle Tipps geben.
Sophie Kelm / www.baby-und-familie.de;
22.03.2010, aktualisiert am 22.06.2011
Bildnachweis: Digital Vision/ RYF
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